Bewegungsmelder Info3 Verlag
 
Nr. 313 // 10.12.2020
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
ziemlich harte Kost serviere ich heute notgedrungen in der Presseschau, denn an kontroversen Themen – von Schulgewalt über Antisemitismus und Corona-Debatten bis hin zum Für und Wider von Impfungen – herrscht gerade wahrlich kein Mangel. Immerhin gibt es aber auch noch Last-Minute-Geschenktipps und einen digitalen Waldorf-Adventskalender.
 
Außerdem an dieser Stelle noch ein Hinweis in eigener Sache. Wie mir die Verlagsführung diskret signalisiert hat, sind zwar schon erfreulich viele freiwillige Kostenbeiträge für den Bewegungsmelder eingegangen, doch von der eingesammelten Summe der Vorjahre sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Deshalb meine Bitte: Wenn es Ihnen möglich ist, schauen Sie doch am besten jetzt gleich auf unserer Bezahlseite vorbei und unterstützen dort mit Ihrem Beitrag unsere Arbeit – herzlichen Dank!
 
 
In diesem Sinne grüßt trotz allem hoffnungsvoll
Laura Krautkrämer
 
 
PRESSESCHAU
Zeit online, Judith Luig (Interview), 07.12.2020
„Eltern betrachteten die Schule als heile Welt“
 
Für viel Aufruhr haben in den letzten Tagen Meldungen über offenbar jahrelang bestehende und nicht ernst genommene Gewaltprobleme an der Waldorfschule Weimar gesorgt. Gleich mehrere Lehrer*innen sollen dort psychische, aber auch handfeste physische Gewalt gegen Schüler*innen ausgeübt haben. Ein Offener Brief von 43 Ehemaligen hat im Juni 2020 eine Aufarbeitung in Gang gesetzt, schreibt Zeit online an anderer Stelle (hinter einer Paywall: „Waldorfschule Weimar: Die nicht so freie Waldorfschule“). Im Interview berichtet die Pädagogin Annette Görg, die als Beraterin des Kinder- und Jugendschutzdienstes in Weimar in die Vorgänge eingebunden ist, über ihre Erfahrungen. Die Betroffenen hätten die Schule als „ein geschlossenes System erlebt, in dem es schwierig ist, Probleme zu benennen und Unterstützung zu finden“, sagt sie. Dass Leitung, Vorstand, Eltern- und Lehrerschaft eng verbunden sind, teilweise „in Personalunion mehrere Rollen“ ausfüllen, erschwere „die Aufdeckung von Missständen und ein professionelles Beschwerdemanagement“. Tragisch, aber für derartige Fälle leider typisch: Obwohl es schon vor einigen Jahren vereinzelte Meldungen von Kindern gegeben habe, sei es oft schwierig gewesen, entsprechenden Rückhalt bei den Eltern zu finden.

„(…) in vielen Fällen waren die Eltern sehr überzeugt von der Schule und den Pädagogen. Sie betrachteten die Schule als einen idealen Ort, als eine heile Welt und zweifelten das Handeln der Lehrenden nicht an. Wir konnten den Kindern nicht helfen, ohne auch noch einen Konflikt zwischen ihnen und ihren Eltern heraufzubeschwören.“

U.a. der MDR berichtet, dass die Staatsanwaltschaft dem „Anfangsverdacht der vorsätzlichen Körperverletzung, Beleidigung und Misshandlung von Schutzbefohlenen“ nachgeht und die Schule den Betroffenen jetzt externe Mediation anbietet (Waldorfschule Weimar reagiert auf Gewaltvorwürfe). Hier eine Stellungnahme der Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Thüringen. Und sehr passend zum Thema hat der Bund der Freien Waldorfschulen just vor ein paar Tagen eine Broschüre über „Gewaltprävention an der Waldorfschule“ veröffentlicht – mehr dazu hier.
 
taz, Paul Wrusch, 04.12.2020
Waldorfschulen und Corona: Gefährliche Freiräume
 
Schon wieder ein Rundumschlag über Waldorfschulen als vermeintliche Brutstätte von „Corona-Leugnern“ und „Masken-Verweigerern“, der argumentativ allerdings ausgesprochen oberflächlich bleibt. Keine Frage, dass es vielerorts Konflikte rund um den angemessenen Umgang mit der aktuellen Situation gibt, aber die angeführten Beispiele über „Diskriminierung“, etwa in Schul-Rundschreiben, wirken genauso bemüht zusammengestellt wie der Verweis auf den angeblich problematischen Freiheitsbegriff der Waldorfpädagogik.
 
Redaktionsnetzwerk Deutschland, Irene Habich (Interview), 04.12.2020
„Kommt Großexperiment gleich“
 
Na sowas: Das in Medienkreisen durchaus einflussreiche Redaktionsnetzwerk Deutschland hat ein langes Interview mit Stefan Schmidt-Troschke veröffentlicht, u. a. Vorstand des Vereins Ärzte für individuelle Impfentscheidungen. Darin warnt er vor einer vorschnellen Zulassung der neuen Corona-Impfstoffe und legt dar, welche Bedenken es zur Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Corona-Impfstoffe gibt.
 
hpd, Andreas Lichte (Interview), 04.12.2020
Anthroposophie und Antisemitismus
 
Die aktuelle Debatte über „braune Esoterik“ und Verbindungen zwischen „Querdenkern“ und Menschen aus dem anthroposophischen Umfeld hat doch tatsächlich auch noch einmal den Anthroposophie-Kritiker Andreas Lichte auf den Plan gebracht, der in den letzten Jahren vorrangig eher in den einschlägigen Kommentarspalten unterwegs war (wo er vor allem auf eigene alte Beiträge verlinkt). Im Interview mit dem Religionsphilosophen und Waldorfblog-Betreiber Ansgar Martins klappert er zunächst die üblichen vorgebrachten Antisemitismus-Vorwürfe ab, schießt sich dann aber auf Michael Blume ein, den Beauftragten der baden-württembergischen Landesregierung gegen Antisemitismus, über den hier in letzter Zeit ebenfalls schon mehrfach berichtet wurde. Offenbar verübelt Lichte ihm, dass er der Anthroposophischen Gesellschaft „Tipps“ gegen den „Imageschaden“ durch die derzeitigen Kontroversen gegeben habe und sich in verschiedenen Interviews und Beiträgen zu differenziert über Waldorfschulen, Anthroposophie etc. geäußert hat.
 
Kirchenbote Osnabrück, 25.11.2020
Krippe und Kita bleiben bildschirmfrei
 
Über einen Caritas-Fachtag zu Kindern und Medien berichtet der Kirchenbote aus Osnabrück – unter den herangezogenen Expertinnen war auch Paula Bleckmann, Professorin für Medienpädagogik an der Alanus Hochschule. Sie wird mit einem anschaulichen Vergleich zum Thema Medienmündigkeit zitiert:

„Paula Bleckmann hat eine klare Position: Krippe und Kita bleiben bildschirmfrei – und trotzdem können Kinder dabei begleitet werden, medienmündig zu werden. ‚Das ist wie mit dem Autofahren: Unsere Kinder sollen alle später mal den Führerschein machen. Niemand käme jedoch auf die Idee, den Kindern ein Auto in die Kita zu stellen. Trotzdem lernen sie dort unglaublich viel von dem, was sie brauchen, um später gute Autofahrer zu werden.‘“
 
Erziehungskunst, Markus Schulze, Dezember 2020
Gegen Rechtsextremismus vorgehen
 
Lesenswerter Beitrag: Ausgehend von einem Online-Thementag gegen Rechtsextremismus, den der Arbeitskreis für eine offene Gesellschaft im Bund der Freien Waldorfschulen veranstaltet hat, setzt sich der Autor (der Sprecher des Arbeitskreises ist) auch mit verschiedenen kritischen Medienberichten der letzten Zeit und sehr grundsätzlich mit dem Themenkomplex Esoterik und Rechtsextremismus sowie Rassismus auseinander.

Das Verhältnis von Nationalsozialismus und Anthroposophen ist kompliziert. Komplizierter, als es Brockschmidt darstellt [in einem vieldiskutierten Zeit-Artikel, LK], aber leider auch komplizierter als in der Darstellung von Peter Selg in der Erziehungskunst. Es gab leider doch mehr Anthroposophen mit Sympathien zum Nationalsozialismus als die Hinweise auf die Verbote suggerieren, wie es heute noch Menschen im Waldorf-Umkreis mit Verbindungen zur radikalen Rechten gibt. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen.
 
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BEWEGTE BILDER
Quelle, AutorIn, Datum
Waldorf-Webdoku „Nachgefragt“ ist online
 
Die Filmemacherin Maria Knilli hat zwölf Jahre lang Schüler*innen einer Klasse der Freien Waldorfschule im bayerischen Landsberg am Lech mit der Kamera begleitet. Der Dokumentarfilm „Reden wir von Leben und Tod“ (hier im info3-Shop bestellen) und die Webdoku „Nachgefragt“ runden die Langzeitdokumentation jetzt ab. Für beide Projekte war die zwölfte Klasse federführend bei der Themenwahl und die Schüler*innen selbst führten die Gespräche vor laufender Kamera.
 
In der Webdoku „Nachgefragt“ kommt die Waldorf-Schulzeit auf den Prüfstand. Welche Erfahrungen haben die SchülerInnen in den zwölf Jahren gemacht: in der Klasse, mit dem Unterricht, mit den LehrerInnen. (8:49 Min.)
 
AUS DEM ANTHRO-UMFELD
 
 
„Wir spielen weiter – gerade jetzt“
 
(Goetheanum, 26.11.2020) „Der Kulturbetrieb des Goetheanum ist durch die Corona-Maßnahmen stark eingeschränkt. Da für das Goetheanum Kultur zur Belebung der Gesellschaft essenziell ist, finden weiterhin Veranstaltungen gemäß BAG-konformem Schutzkonzept statt: Ausstellungen, Konzerte, Aufführungen – und die Mysteriendramen Rudolf Steiners.
 
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NEUE BÜCHER
„Ach Du liebe Anthroposophie“
 
Mit dieser herzlichen Anrede beginnt Mathias Wais seine Briefe an die verehrte Freundin Anthroposophie – mal kritisch hinterfragend, mal anregend, aber immer verbindlich. Denn der humorvoll anmutende Rahmen eines direkten Austauschs mit dem Wesen Anthroposophie hat einen ernsten Hintergrund: die Sorge um den Zustand eines geistigen Impulses, der heute nach Erneuerung verlangt. Ein Beitrag, zur nötigen Entwicklung der Anthroposophie anzuregen, der weitere Diskussionen auslösen möchte.

Mathias Wais:
Ach du liebe Anthroposophie. Briefe an eine Freundin
Info3-Verlag, 1. Auflage 2020, 124 Seiten, Klappenbroschur, € 12,90
 
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ADVENTSKALENDER DER WOCHE
 
Ein weiteres schönes Beispiel für Erfindungsreichtum in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und damit einhergehend ausgefallenen Veranstaltungen: Mit einem Online-Adventskalender bietet die Waldorfschule Frankfurt am Main Einblicke in das Schulleben – eine Art Monatsfeier in digitalen Häppchen.
 
 
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