Bewegungsmelder Info3 Verlag
 
Nr. 288 // 23.04.2020
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
das war ja leider nicht anders zu erwarten: Natürlich steht auch nach meiner Osterferien-Pause das Thema Corona im Vordergrund. Wie bereiten sich die Schulen auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebs vor? Wie stehen angesichts der Krise die Chancen für ein bedingungsloses Grundeinkommen? Was passiert gerade mit unserer Arbeits- und Lebenswelt?
 
Obendrauf gibt es Vitaleurythmie-Übungen, eine TV-Reportage über zwei Demeter-Küken und ganz zum Schluss noch eine charmante kulturwissenschaftliche Betrachtung der Türklinke: Ist sie nur eine üble Virenschleuder, ein unverzichtbares Designobjekt oder gar Ausdruck eines höheren Wesens?

Aus dem Homeoffice grüßt herzlich (und ganz ohne Heilserwartung)
Laura Krautkrämer
 
PRESSESCHAU
Come-on.de (Westfälischer Anzeiger), 22.04.2020
Schutz vor dem Coronavirus: Diese Maßnahmen treffen die Schulen
 
Wie sich verschiedene Schulen im Märkischen Sauerland (NRW) auf die neuen Hygiene-Anforderungen einstellen, schildert dieser Artikel. In der Freien Waldorfschule Neuenrade herrscht demnach Maskenpflicht (auf dem dazugehörigen Foto sieht man die Handarbeitslehrerinnen, die für das Kollegium Stoffmasken nähen), hinzu kommen allerhand Regelungen, wie sich die Schüler*innen durch das Gebäude bewegen sollen. So gelte „Rechtsverkehr“ etwa in doppelflügeligen Türen, es gibt versetzte Pausen, Desinfektionsspender an den Ein- und Ausgängen und eine intensive Reinigung und Desinfizierung der Räume und Kontaktflächen.
 
Krautreporter.de, Rico Grimm (Interview), 20.04.2020
„Dieser Sozialstaat ist nicht krisenfest“
 
Die Corona-Krise verschafft der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens einigen Auftrieb, wie nicht zuletzt mehrere vielbeachtete, aktuelle Online-Petitionen zeigen. Der Ökonom und Philosoph Philip Kovce, der sich seit Jahren intensiv mit dem Thema auseinandersetzt, ist deshalb derzeit in diversen Medien ein (besonders) gefragter Gesprächspartner, so auch in diesem lesenswerten Krautreporter-Interview:

„Die protestantische Arbeitsethik hat uns einen Arbeitsglauben anerzogen, dessen Heilserwartung sich nicht mehr im Jenseits, sondern dieser Tage sogar ganz fleißig im Homeoffice erfüllt. Jede Arbeit ist besser als keine: So lautet das Credo der profanen Arbeitsreligion. Wer deren frohe Botschaft angesichts von heillosem Überfluss, unzähligen Bullshit-Jobs und andauernden Burnouts ketzerisch in Zweifel zieht, dem droht in unserer scheinbar alternativlosen Arbeitsgesellschaft die sofortige Ächtung als Arbeitsverweigerer (…)“
 
Foto: onefox/Pixabay
Agrarheute.com, Amelie Grabmeier, 14.04.2020
Aldi schafft das Kükentöten ab – stimmt das?
 
Äußerst werbewirksam präsentierte sich der Discounter Aldi kurz vor Ostern als Vorreiter, der bis 2022 in sämtlichen Lieferketten das Töten männlicher Küken abschaffen will, und zwar mithilfe einer Geschlechtsbestimmung der befruchteten Eier. Die Bioverbände meldeten schnell Kritik an und verwiesen auf Alternativen wie das Zweinutzungshuhn und die Bruderhahn-Aufzucht.
 
Info3.de, Silke Kirch, April 2020 (Print-Ausgabe Mai 2020)
Masernschutzgesetz im Alltag: „Kinder nicht reinzulassen ist unvorstellbar“
 
„Am 01. März 2020 ist das Masernschutzgesetz in Kraft getreten. Was bedeutet das für den Alltag im Kindergarten? Info3 hat mit Viola Sattelkau gesprochen, Leiterin des Waldorfkindergartens in Saulheim südlich von Mainz, der vierzig Kinder zwischen eineinhalb und sechs Jahren beherbergt.“
 
Erziehungskunst.de, April 2020
Homeschooling und Waldorf – geht das?
 
Im Interview äußern sich die Medienexperten Franz Glaw und Robert Neumann über Risiken und Chancen des digitalen Heimunterrichts, dessen Möglichkeiten sich alle Beteiligten ja seit einigen Wochen eher erzwungenermaßen und unter Zeitdruck erschließen müssen. Glaw betont dabei unter anderem die zentrale Rolle der Beziehung:

Lernen, jedenfalls im Schulalter, funktioniert ausschließlich über Beziehung. Das haben nicht zuletzt die immensen Abbruchquoten der hochgepriesenen MOOC (Massive Open Online Courses) gezeigt. Die Chance, die ich täglich erlebe, besteht darin, dass man wie unter einem Brennglas erkennen kann, wie wichtig Beziehung und vor allem auch die direkte Wahrnehmung der Schüler in der Lernsituation ist.“
 
HÖRENSWERTES IM (WEB-)RADIO
Deutschlandfunk Kultur, 17.04.2020
„Reine Orientierung am Konsum ist eine Fehlsteuerung“
 
„Corona bedeutet für die Gesellschaft Verzicht und Einschränkung. Wird nach einem Ende der Krise der Konsum erneut alles beherrschen? Der Nachhaltigkeitsexperte und frühere Grünen-Politiker (und Professor für Nachhaltigkeit und Gesellschaftsgestaltung an der Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues, LK) Reinhard Loske glaubt: nein.“ (8:21 Min.)
 
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BEWEGTE BILDER
NDR, 11.04.2020
„Inge“ und „Klaus“ – Zwei Küken wachsen heran
 
Zur Aldi-Meldung weiter oben passt gut diese TV-Reportage über das erste Lebensjahr der beiden Hühner Inge und Klaus, die auf dem Demeter-Hof hufe8 in der Nähe von Rostock aufwachsen.

„Die jungen Landwirte Lukas und Anna Propp haben beschlossen, nicht nur die weiblichen Hühner, mit denen sie ihr Geld verdienen, aufzuziehen, sondern auch mehrere Tausend Hähne. (…) Für sie war es eine emotionale Entscheidung mit wirtschaftlichen Risiken. Der Markt für das magere Fleisch der Hähne ist klein. Dafür, dass die männlichen Küken nicht direkt nach dem Schlupf getötet werden, müssen die Landwirte den Eierpreis erhöhen. Vier Cent mehr pro Ei - dafür, dass die Hähne am Leben bleiben.“ (28:47 Min.)
 
YouTube, Goetheanum Deutsch, 07.04.2020
Vertrauen und Beziehungen sind Quellen der Gesundheit. – Georg Soldner
 
„Die Anthroposophische Medizin hat jahrzehntelange Erfahrung mit virusbedingten Lungenentzündungen und ist jetzt breit vernetzt mit komplementär und integrativ arbeitenden Medizinrichtungen, um der Neuartigkeit dieser Viruserkrankung begegnen zu können. (…) Die Krise spiegelt die heutige Rücksichtslosigkeit im Umgang mit der Tierwelt und gibt grundsätzlich Anlass, unsere Art des Zusammenlebens mit der Tierwelt neu zu gestalten.“ (6:18 Min.)
 
 
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Gesundheit aktiv, April 2020
U-Health & Vitaleurythmie: Achtsamkeit & Selbstwirksamkeit
 
Der Patientenverband Gesundheit aktiv stellt fünf Übungsvideos mit Übungen der Vitaleurythmisten Christiane Hagemann und Michael Werner zur Verfügung, die in Zeiten von Corona Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit stärken wollen. Die zwischen 15 und knapp 20 Minuten langen Videos stehen in Bezug zu Themen des U-Health-Programms von Gesundheit aktiv: Innehalten, Begegnen, Zentrieren, Empfangen und Umsetzen.
 
AUS DEM ANTHRO-UMFELD
 
 
Global denken, nachhaltig handeln, regionale Wirtschaft stärken
 
(Demeter, 22.04.2020) „Der heutige Tag der Erde gibt Anlass, daran zu denken, dass wir neben der Corona-Krise die anderen globalen Herausforderungen im Blick behalten müssen. Um Klimawandel, Verlust von Lebensräumen und Artenvielfalt, Plastikmüll und Wasserverschmutzung zu stoppen, braucht es entschiedene Schritte in der Politik.“
 
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NEUE BÜCHER
Kaspar, der Schatzhüter
 
Eine spirituelle Annäherung an eine historische Gestalt: Was ist dies für ein Wesen, das zu Beginn des materialistischen Zeitalters mit solch einer außerordentlichen Signatur in Erscheinung tritt? Und was hat er uns Heutigen zu sagen, die wir in einer Zeit leben, die so großzügig wie nachlässig mit der Wahrheit umgeht?

Eckart Böhmer:
Kaspar, der Schatzhüter
Kaspar Hauser, Platon, Parzival. Vier Vorträge
Info3-Verlag, 1. Aufl. 2020, 104 Seiten, Klappenbroschur; € 12,90
 
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DESIGNOBJEKT DER WOCHE
Foto: Laura Krautkrämer
Sueddeutsche.de, Gerhard Matzig, 10.04.2020
Anfassen ist archaischer Wahnsinn
 
Design in Zeiten von Corona: Wie steht es eigentlich um Türklinken, die ja derzeit als Viren- und Bakterienschleudern ein wenig in Verruf geraten sind? In diesem Artikel erfahren wir einiges über den „präcoronal produzierte(n)“ YouTube-Clip „Absolut eklig! Virenalarm an der Tür“, in dem „in humoristischer Absicht“ alternative und teilweise geradezu akrobatische Türöffnungsmöglichkeiten ohne Handeinsatz präsentiert werden. Im Anschluss setzt der Autor zu einer design- und architekturgeschichtlichen Verteidigung des inkriminierten Objekts an, an dem sich schließlich schon allerhand Geistesgrößen ausgetobt hätten:
 
„Sogar der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat als Hobbyarchitekt in den 1920er-Jahren für das Haus seiner Schwester Margarethe Stonborough-Wittgenstein eine Türklinke entworfen und sich dafür ein ganzes Jahr Zeit genommen. Wittgenstein hat das Wesen der Klinke gründlich durchdacht. Übrigens sah auch Rudolf Steiner in der Türklinke, die zwischen innen und außen vermittelt, die zwischen offen und geschlossen den Unterschied macht, die der Hand schmeicheln kann und doch reine Mechanik darstellt, die simpel und zugleich raffiniert ist, ein höheres Wesen am Werk.
 
 
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