Bewegungsmelder Info3 Verlag
 
Nr. 293 // 28.05.2020
 
Sehr geehrte Damen und Herren,

heute geht es im Bewegungsmelder hoch her: Die Presseschau-Rubrik liefert nämlich ein kleines Special zum Themenkomplex Verschwörungstheorien, Esoterik und Anthroposophie. Anlass dafür ist die Kontroverse um den Rapunzel-Chef Joseph Wilhelms, der mit seinen kritischen Äußerungen zum Umgang mit Corona jede Menge Wirbel verursacht hat – mehr dazu unten.

Passend dazu gibt es außerdem unter anderem ein Radiogespräch über konstruktive Diskussionskultur auch in Corona-Zeiten, einen „digitalen Spatenstich“ für den Neubau der Uni Witten/Herdecke und eine neue Plattform namens „CoronaCircles“, die auf die Kraft der Gemeinschaft setzt.

Es grüßt konstruktiv und herzlich
Laura Krautkrämer
 
PRESSESCHAU
Kontroverse um Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm
 
Corona polarisiert. Was so manche*r in seinem persönlichen Umfeld erlebt, spiegelt sich auch gesamtgesellschaftlich und natürlich auch medial – aktuell zum Beispiel sichtbar an verschiedenen Artikeln und Kommentaren zur Positionierung von Joseph Wilhelm, Chef des Biolebensmittel-Herstellers Rapunzel. Wilhelm, seit vielen Jahren der biodynamischen Szene eng verbunden, hatte sich in den vergangenen Wochen auf der Unternehmenswebsite in persönlichen Statements kritisch zum gesellschaftlichen Umgang mit der Pandemie geäußert. So bezeichnete er etwa Kontaktbeschränkungen, Sicherheitsabstand und Mundschutzmasken als unangemessene Maßnahmen, kritisierte eine mögliche Impfpflicht und hat dabei wohl, wie er inzwischen einräumt, in manchen Passagen einen unangemessenen Tonfall getroffen. In früheren Jahren hat die Firma Rapunzel außerdem mit dem veganen Promi-Koch Attila Hildmann kooperiert, der mittlerweile mit wirren Thesen auf Corona-Demos für Aufsehen sorgt. Das alles fliegt Wilhelm und der Firma Rapunzel nun um die Ohren. Rapunzel hat die entsprechenden Texte Wilhelms inzwischen von der Website genommen, er selbst einige Aussagen relativiert (hier seine Stellungnahme).

„Menschenverachtend und populistisch“ seien die von Wilhelm verbreiteten „Mythen über das Coronavirus“, schrieb die taz unter der Headline „Der Märchenerzähler“. T-online berichtete ebenfalls recht ausführlich über den „Skandal“, der dazu führen könne, dass Rapunzel-Produkte aus deutschen Reformhaus- und Bioladen-Ketten verschwinden könnten („Weitere Läden erwägen Verkaufsstopp für Rapunzel-Produkte“). „Zwischen Ethik und Esoterik“ titelt das sozialistische neue deutschland: Innerhalb ökologisch orientierter Unternehmen seien eine anthroposophische Weltanschauung und auch Verschwörungstheorien „weit verbreitet“ (Helmut Zanders Aussage über die Anthroposophie als „esoterische Großmacht“ darf hier natürlich nicht fehlen). Relativ unaufgeregt fallen dagegen die Darstellung und ein Kommentar auf dem Branchenportal Biohandel.de aus: Joseph Wilhelm sei kein Verschwörungstheoretiker, sondern folge lediglich auch in Zeiten der Pandemie seinem Verständnis von Natur. Er bemühe „weder fremde Mächte noch Merkel und Gates“, auch in die „rechte Ecke“ gehöre er nicht gestellt. („Joseph Wilhelm ruft Empörung hervor“).
 
Foto: PIRO4D/Pixabay
taz, Arno Frank, 23.05.2020
Corona und Verschwörungstheorie: Macht Bio wirr?
 
Wohl in der Folge der oben geschilderten Diskussionen legte die taz am Wochenende nach und untersuchte den Zusammenhang von gesunder Ernährung und „kruder Ideologie“ – herausgekommen ist ein reichlich plumper Rundumschlag in Sachen Corona-Verschwörungstheorien, Bio-Szene und Anthroposophie. „Glaube an Echsenmenschen und Globuli“ werden munter in einen Topf geworfen und ihre vermeintliche Verbindung „ideengeschichtlich“ untermauert, schließlich entstamme alles Alternative in Deutschland, egal ob links oder rechts verortet, aus der „gleichen Ursuppe“, nämlich aus der Opposition gegen das Kaiserreich.

So bedenkenswert diese historischen Bezüge grundsätzlich sein mögen (unselige Allianzen in Sachen brauner Esoterik sind schließlich schon länger bekannt), bilden sie doch eine recht dünne Grundlage für die hier angeführte Argumentation, die eigentlich gar keine ist: Menschen, die Impfungen kritisch sehen, Homöopathie schätzen oder vermeintlich weihevoll „Schrumpeläpfel“ im müffelnden Bioladen kaufen auf der einen Seite, auf der anderen Attila Hildmann, der mit Schnappatmung über die Weltverschwörung schwafelt, oder gar Hitler, der die Vorzüge der Rohkost-Ernährung preist – warum da groß differenzieren? Auch die Ergebnisse einer Umfrage in der veganen Community, der zufolge eine überwältigende Mehrheit Verschwörungstheorien und rechtsideologisches Denken ablehnt, werden zwar zitiert, stören aber nicht weiter den Argumentationsfluss. Dass es im alternativen und auch im anthroposophischen Milieu durchaus eine Affinität zu Verschwörungsideologien gibt, lässt sich leider nicht bestreiten (eine ältere Stellungnahme dazu hier) – aber so undifferenziert wie in diesem Artikel wird man dem Thema wohl kaum gerecht.
 
Info3, Griet Hellinckx, Mai 2020 (Print-Ausgabe Juni 2020)
CoronaCircles: Die Kraft der Kreise in der Krise
 
„Einer der Wege, mit den Corona-Einschränkungen umzugehen, ist die Wiederentdeckung des Kreises – der Begegnung im kleinen Rund. Im 21. Jahrhundert geht das auch auf digitale Weise. Unter dem Motto CoronaCircles wird dazu eingeladen, selbst kleine Gesprächsgruppen zu gründen, um in der Krise die Kraft der Gemeinschaft zu spüren.“
 
HÖRENSWERTES IM (WEB-)RADIO
Radio evolve, 21.05.2020
Wie können wir über Corona sprechen?
 
Info3-Chefredakteur Jens Heisterkamp zu Gast bei Thomas Steininger und dem Radio evolve – im Gespräch über die Coronakrise, aber vor allem darüber, wie es gelingen kann, hier zu einer neuen Gesprächskultur zu finden. (55:21 Min.)
 
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BEWEGTE BILDER
YouTube, Universität Witten/Herdecke, 19.05.2020
Digitaler Spatenstich zum Neubau der Uni Witten/Herdecke
 
„Mit diesem YouTube-Film dokumentiert die Universität den symbolischen Akt zum Baubeginn. Welche Erwartungen, Wünsche und Gedanken haben die unterschiedlichsten beteiligten Personen jetzt, da die lang ausgearbeiteten Pläne Wirklichkeit werden? Das schildern sie selbst im Clip.“ (8 Min.)
 
 
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AUS DEM ANTHRO-UMFELD
 
 
Kunstaktion: Luft in Gläsern
 
BioLuftAktion: Ein junges Kollektiv von politisch engagierten Künster*innen ruft dazu auf, für eine Ausstellung Luft in kleine Gläser abzufüllen. Die sozialkünstlerische Aktion soll dazu anregen, sich mit dem zu beschäftigen, was gerade in der Luft liegt, Bewusstsein schaffen und wach machen für die Erde und ihre Belange.
 
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Aktuelle Stellenanzeigen aus der Zeitschrift info3
 
Neue berufliche Herausforderungen gesucht? Das trifft sich gut, denn auf unserer Website drängeln sich geradezu die Stellenanzeigen aus der Zeitschrift info3 – frisch und quasi tagesaktuell gleich nach Auftragseingang veröffentlicht. Schauen Sie doch mal vorbei!
 
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80 Jahre Camphill 1940 – 2020
 
(Karl König Institut, 23.05.2020) „Vor 80 Jahren setzte eine kleine Gruppe von Flüchtlingen aus Wien eine weltweite Bewegung für heilende Gemeinschaftsbildung in Bewegung. Das Karl König Institut hat zu diesem besonderen Anlass eine Ausstellung zum Selbstgestalten zusammengestellt: 23 Poster im A3-Format sind vorbereitet. Für einen Selbstkostenbeitrag können Sie die Poster herunterladen und als Ausstellungstafeln drucken lassen.“
 
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Weleda: Nach gutem Vorjahr Unsicherheiten für 2020
 
(Weleda, 19.05.2020) „2019 steigerte die Weleda AG erneut Umsatz und Eigenkapital und erzielte ein leicht geringeres Nettoergebnis. Nach aktueller Einschätzung wird der Umsatz von Weleda gegenüber den Erwartungen zurückbleiben. Die Weleda Geschäftsleitung hat Maßnahmen eingeleitet, um auf der Kostenseite reagieren zu können. Neben verschiedenen Maßnahmen wurde Kurzarbeit beantragt, unter anderem auch in Deutschland und der Schweiz.“
 
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20 Jahre Zukunftsstiftung Landwirtschaft
 
(Zukunftsstiftung Landwirtschaft, 19.05.2020) „Seit 20 Jahren unterstützen und stärken wir gemeinsam die Entwicklungen der ökologischen Landwirtschaft. Eine gute Gelegenheit kurz innezuhalten, den Blick zurück zu werfen und die Veränderungen seit dem Jahr 2000 wahrzunehmen.“
 
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Neue Infobroschüre der Anthroposophischen Gesellschaft in Arbeit
 
(AGiD, 15.05.2020) Die AGiD erarbeitet derzeit eine neue Broschüre für ihre Öffentlichkeitsarbeit, die in Kurzform die Arbeit der Gesellschaft verständlich machen soll. Die Verantwortlichen wollen dazu unter anderem mit kurzen Zitaten von Rudolf Steiner arbeiten, die zentrale Themen und Positionen der Anthroposophie vermitteln – Anregungen dazu nehmen sie gerne entgegen.
 
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BLUMENGRUSS DER WOCHE
Foto: Laura Krautkrämer
 
Heute mal Blumen statt Quatsch: ein Pfingstrosen-Blumengruß von meinem Balkon.
Ich wünsche einen guten Wochenausklang und schöne Feiertage!
 
 
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